Investieren mit Kindern: Vermögensaufbau trotz Elternzeit

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Als ich 2019 mit meiner Tochter Emma in Elternzeit ging, dachte ich, meine finanzielle Entwicklung würde für zwei Jahre pausieren. Falsch gedacht. Heute weiß ich: Investieren mit Kindern ist nicht nur möglich, sondern genau der richtige Zeitpunkt, um die Weichen für langfristige finanzielle Unabhängigkeit zu stellen. Während andere in der Elternzeit ausschließlich Rücklagen abbauen, habe ich angefangen, systematisch Vermögen aufzubauen.
Laut einer aktuellen Studie der Arbeiterkammer Wien verlieren Frauen durch Karenz und Teilzeit im Laufe ihres Erwerbslebens durchschnittlich 435.000 Euro an Lebenseinkommen. Diese Zahl war für mich der Weckruf. Statt die Elternzeit als finanzielles Minus zu akzeptieren, habe ich sie als Chance begriffen, mich intensiv mit Geldanlage für Mütter auseinanderzusetzen.
Warum die Elternzeit der ideale Zeitpunkt fürs Investieren ist
Klingt paradox? Ist es aber nicht. In der Elternzeit hast du oft mehr Zeit für Weiterbildung als im stressigen Berufsalltag. Während Emma ihren Mittagsschlaf machte, habe ich Börsennachrichten gelesen, Podcasts über ETFs gehört und mich in Online-Kurse vertieft. Diese 1-2 Stunden täglich haben mein finanzielles Fundament gelegt.
Der langfristige Anlagehorizont passt perfekt zur Familienphase. Wenn du heute anfängst zu investieren und dein Kind in 18 Jahren studieren möchte, hast du genug Zeit, um Marktschwankungen auszusitzen. Der Zinseszinseffekt wird zu deinem besten Freund. Investieren als Mutter bedeutet nicht, kurzfristig reich zu werden, sondern Schritt für Schritt finanzielle Sicherheit aufzubauen.
Die Realität: Weniger Einkommen, trotzdem investieren
Das Elterngeld liegt in Österreich bei maximal 2.000 Euro monatlich, in Deutschland bei 1.800 Euro. Für viele bedeutet das eine Halbierung des bisherigen Einkommens. Trotzdem kannst du mit kleinen Beträgen starten. Ich habe mit 25 Euro monatlich begonnen – dem Betrag, den ich vorher für Coffee-to-go ausgegeben hatte.
Die Kunst liegt darin, deine Fixkosten neu zu bewerten. Brauchen wir wirklich drei Streaming-Dienste? Muss es das teure Fitness-Studio sein oder tun es YouTube-Workouts während des Mittagsschlafs? Bei uns haben wir durch kleine Optimierungen 120 Euro monatlich freigeschaufelt, die direkt in einen ETF-Sparplan geflossen sind. Mehr dazu, wie du auch mit wenig Geld anfangen kannst, findest du in meinem Artikel über ETF-Sparpläne für Frauen.
Konkrete Spar-Strategien für die Familienphase
Automobilclubs wie der ÖAMTC bieten Familientarife ab 12,90 Euro monatlich statt 18,50 Euro für Einzelmitgliedschaften. Supermärkte wie Hofer oder Lidl haben Eigenmarken-Babybrei ab 0,49 Euro statt Markenprodukte um 1,29 Euro. Diese kleinen Unterschiede summieren sich auf 50-80 Euro monatlich. Das sind 600-960 Euro jährlich, die du investieren kannst.
Welche Anlageformen passen zu Müttern in Elternzeit?
Als frischgebackene Mutter brauchst du Flexibilität und Übersichtlichkeit. Komplizierte Finanzprodukte, die ständige Kontrolle brauchen, sind unrealistisch. Ich setze auf drei Säulen, die sich im Alltag mit Kind bewährt haben.
ETF-Sparpläne sind mein Favorit fürs Investieren mit Kindern. Bei Flatex oder der Erste Bank kannst du ab 50 Euro monatlich automatisch in einen MSCI World ETF investieren. Die Ausführung läuft automatisch am Monatsanfang, du musst dich um nichts kümmern. Selbst wenn Emma nachts schlecht schläft und ich tagelang im Nebel laufe, baut sich mein Vermögen auf.
Ein Tagesgeldkonto für Notfälle ist Pflicht. Ich halte dort konstant 3.000 Euro als Sicherheitspuffer. Bei der Erste Bank bekommst du aktuell 3,1 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. Wenn die Waschmaschine kaputtgeht oder das Auto in die Werkstatt muss, greife ich darauf zurück, statt meine ETF-Anteile zu verkaufen.
Gold als Krisen-Absicherung
5-10 Prozent meines Portfolios halte ich in physischem Gold. Bei Münze Österreich kannst du Philharmoniker-Goldmünzen ab 200 Euro kaufen. Gold hat sich historisch in Krisen bewährt und gibt mir psychologische Sicherheit. Es ist mein Plan B, falls wirklich alles schiefgeht.
Vermögensaufbau Elternzeit: Mein konkreter 3-Stufen-Plan

Lass mich dir zeigen, wie ich vorgegangen bin. Dieser Plan funktioniert auch mit wenig Zeit und begrenztem Budget.
- Stufe 1 (Monate 1-3): Notgroschen aufbauen. Spare mindestens 1.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto an. Das gibt dir Ruhe und Sicherheit, bevor du ans Investieren denkst. Ich habe dafür Geburtstagsgeld, Kindergeld-Erhöhungen und kleine Ersparnisse genutzt.
- Stufe 2 (Monate 4-12): Ersten ETF-Sparplan einrichten. Starte mit einem Betrag, der dir nicht wehtut. Bei mir waren es anfangs 25 Euro, nach sechs Monaten 75 Euro. Wichtig ist Kontinuität, nicht die Höhe. Ein breit gestreuter MSCI World ETF reicht am Anfang völlig.
- Stufe 3 (ab Monat 13): Sparrate erhöhen und diversifizieren. Sobald du dich sicher fühlst, stocke die Rate auf oder füge einen zweiten ETF hinzu. Ich habe nach einem Jahr einen Emerging Markets ETF ergänzt und meine Gesamtsparrate auf 150 Euro erhöht.
Elternzeit finanziell nutzen: Weiterbildung als Investment
Die wertvollste Investition in der Elternzeit bist du selbst. Ich habe einen Online-Kurs zur Finanzplanung bei der Wiener Börse Akademie für 199 Euro gemacht. Dieses Geld war besser angelegt als jeder ETF, weil es mir das Wissen gegeben hat, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Kostenlose Ressourcen wie der Podcast "Finanzfluss" oder YouTube-Kanäle wie "Finanztip" haben mein Verständnis massiv verbessert. Während Emma spielte, hörte ich nebenbei zu. Nach sechs Monaten konnte ich Börsenbegriffe einordnen und verstand, warum Diversifikation wichtig ist.
Diese Weiterbildungszeit zahlt sich auch nach der Elternzeit aus. Mit meinem neuen Finanzwissen konnte ich nach meiner Rückkehr in den Job eine fundierte Gehaltsverhandlung führen. Wie das konkret geht, zeige ich dir in meinem Beitrag zum Gehalt verhandeln ohne Konfrontation.
Partner einbinden: Gemeinsam stärker beim Vermögensaufbau
Investieren mit Kindern funktioniert am besten als Team. Mein Partner und ich haben eine klare Aufteilung: Er kümmert sich um unsere Immobilienfinanzierung, ich um die flexiblen Geldanlagen. Jeden Monat setzen wir uns 30 Minuten zusammen und besprechen unsere Finanzen beim Abendessen.
Diese finanzielle Offenheit hat unsere Beziehung gestärkt. Wir haben gemeinsame Ziele definiert: In 15 Jahren wollen wir Emmas Studium finanzieren können, ohne Schulden aufnehmen zu müssen. In 25 Jahren möchten wir beide die Option haben, in Teilzeit zu gehen. Solche konkreten Ziele motivieren enorm. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie wichtig Transparenz in Geldthemen ist, lies meinen Artikel über finanzielle Offenheit in der Partnerschaft.
Getrennte Konten, gemeinsame Ziele
Wir haben ein gemeinsames Haushaltskonto, auf das beide proportional zu ihrem Einkommen einzahlen. Für Investitionen hat jeder sein eigenes Depot. Das verhindert Streit und gibt beiden finanzielle Autonomie. Ich entscheide selbst, in welche ETFs ich investiere, er hat seine eigene Strategie.
Häufige Fehler beim Investieren als Mutter vermeiden

Ich habe anfangs jeden Fehler gemacht, den man machen kann. Damit du es besser hast, hier die drei größten Stolpersteine und wie du sie umgehst.
Fehler Nummer eins: Zu lange warten, bis die Umstände perfekt sind. Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt. Auch mit 25 Euro monatlich baust du mehr Vermögen auf als mit null Euro. Ich habe fünf Monate vertrödelt, weil ich dachte, ich müsse erst 500 Euro auf einmal investieren können. Verschwendete Zeit.
Fehler Nummer zwei: Panikverkäufe bei Kursverlusten. 2020, als Corona die Börsen abstürzen ließ, hatte ich Angst. Mein Depot stand 18 Prozent im Minus. Zum Glück habe ich nicht verkauft. Heute steht dasselbe Depot 42 Prozent im Plus. Langfristiger Vermögensaufbau während der Familienphase bedeutet, Schwankungen auszusitzen.
Fehler Nummer drei: Finanzprodukte kaufen, die du nicht verstehst. Eine Bekannte hat auf Empfehlung ihres Bankberaters einen aktiv gemanagten Fonds mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag gekauft. Sie wusste nicht mal, was ein Ausgabeaufschlag ist. Investiere nur in Produkte, die du selbst jemandem erklären könntest.
Finanzielle Unabhängigkeit trotz Kinder: Der Weg ist das Ziel
Nach drei Jahren Elternzeit und Teilzeit habe ich ein Depot von 7.200 Euro aufgebaut. Klingt nicht nach viel? Ist es auch nicht. Aber es ist 7.200 Euro mehr als nichts. Und durch den Zinseszinseffekt werden daraus bei 7 Prozent durchschnittlicher Rendite in 18 Jahren etwa 24.500 Euro.
Wichtiger als die absolute Summe ist die Gewohnheit. Ich habe gelernt, Investieren als festen Bestandteil meines Lebens zu sehen. Genau wie Zähneputzen oder Windelnwechseln gehört der monatliche Blick aufs Depot dazu. Diese Routine wird mich langfristig finanziell unabhängig machen.
Die Elternzeit ist keine verlorene Zeit, sondern eine Chance. Du kannst dich weiterbilden, ohne den Druck des Berufsalltags. Du kannst mit kleinen Beträgen experimentieren und deine Risikotoleranz kennenlernen. Und du legst den Grundstein für ein finanzielles Polster, das deinem Kind später echte Chancen eröffnet.
Häufig gestellte Fragen zum Investieren mit Kindern
Wie viel Geld sollte ich mindestens in der Elternzeit investieren?
Es gibt kein Mindestbetrag, der vorgeschrieben wäre. Viele Banken bieten ETF-Sparpläne ab 25 Euro monatlich an, bei manchen wie der Erste Bank sogar ab 50 Euro. Wichtiger als die Höhe ist die Regelmäßigkeit. Selbst 25 Euro monatlich ergeben bei 7 Prozent Rendite nach 18 Jahren etwa 10.000 Euro.
Soll ich für mein Kind oder für mich selbst investieren?
Beides ist sinnvoll, aber priorisiere zunächst deine eigene finanzielle Sicherheit. Du kannst deinem Kind später nicht helfen, wenn du selbst nicht abgesichert bist. Ich investiere 70 Prozent meiner Sparrate für mich selbst und 30 Prozent auf ein Junior-Depot für Emma. So habe ich Flexibilität und baue gleichzeitig etwas für ihre Zukunft auf.
Welcher ETF eignet sich am besten für Mütter in Elternzeit?
Ein breit gestreuter MSCI World ETF ist für Anfängerinnen ideal. Der iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN: IE00B4L5Y983) oder der Xtrackers MSCI World UCITS ETF (ISIN: IE00BJ0KDQ92) sind beide kostengünstig mit etwa 0,2 Prozent Gebühren jährlich. Sie enthalten über 1.500 Unternehmen weltweit und bieten maximale Diversifikation.
Wie riskant ist Investieren mit Kindern wirklich?
Das Risiko hängt von deinem Anlagehorizont und deiner Strategie ab. Kurzfristig können ETFs 20-30 Prozent schwanken, langfristig über 15 Jahre haben breit gestreute Aktien-ETFs historisch immer positive Renditen gebracht. Wichtig: Investiere nur Geld, das du mindestens 10 Jahre nicht brauchst, und halte einen Notgroschen von 3-6 Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto.
Was mache ich, wenn ich nach der Elternzeit wieder arbeite?
Erhöhe deine Sparrate schrittweise mit steigendem Einkommen. Ich habe nach meiner Rückkehr in Teilzeit meine ETF-Sparrate von 75 auf 200 Euro erhöht. Bei jeeder Gehaltserhöhung lege ich mindestens 50 Prozent der Erhöhung zusätzlich zur Seite. So steigt mein Lebensstandard langsam, aber mein Vermögen wächst überproportional.
Fazit: Deine finanzielle Zukunft beginnt jetzt
Investieren mit Kindern ist keine Raketenwissenschaft. Es braucht weder ein hohes Einkommen noch täglich mehrere Stunden Zeit. Was es braucht, ist der erste Schritt und die Bereitschaft, langfristig dranzubleiben. Die Elternzeit ist nicht das Ende deiner finanziellen Entwicklung, sondern kann der Beginn deiner finanziellen Unabhängigkeit sein.
Starte heute mit einem kleinen Betrag. Bilde dich weiter, während dein Kind schläft. Sprich mit deinem Partner über gemeinsame Ziele. Und vor allem: Sei geduldig mit dir selbst. Vermögensaufbau ist ein Marathon, kein Sprint. Aber jeder Euro, den du heute investierst, arbeitet für dich und deine Familie.
Wenn du jetzt anfängst, wirst du in 18 Jahren zurückblicken und stolz sein. Nicht weil du reich bist, sondern weil du die Kontrolle über deine Finanzen übernommen hast. Weil du deinem Kind Vorbild warst. Und weil du finanzielle Sicherheit geschaffen hast, die dir Optionen gibt. Das ist wahre finanzielle Unabhängigkeit trotz Kinder und Elternzeit.